Neue Publikation aus dem ComAI P6 Projekt
Wir freuen uns, die Veröffentlichung eines neuen Artikels unserer Kolleg:innen Patrick Frey und Cornelius Puschmann (ZeMKI, Universität Bremen) sowie Smita Bhattacharya und Gregor Wiedemann (Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut) aus dem Projekt „Politischer Diskurs: Kommunikative KI und deliberative Qualität“ in der ComAI Research Unit bekannt zu geben. Der Artikel trägt den Titel „Can AI Gauge Deliberative Quality? Evaluating Deliberation on Social Media With Large Language Models.“
Obwohl soziale Medien zu einer zentralen Arena für deliberative Diskurse geworden sind, sind Debatten häufig von Inzivilität und anderen deliberativen Normverstößen geprägt. Aufgrund des Umfangs von Online-Diskursen ist es schwierig zu identifizieren, wann und wo Interventionen, wie beispielsweise communitybasierte Ansätze wie Counterspeech, erforderlich sind. In dieser Studie untersuchen Frey und Kolleg:innen, wie Large Language Models (LLMs) eingesetzt werden können, um die Qualität deliberativer Diskurse automatisiert zu analysieren. Hierbei haben die Autor:innen sowohl klassische Dimensionen wie Rationalität und Zivilität (Typ I) als auch alternative Kommunikationsformen wie Emotionalität, Storytelling und Humor (Typ II) berücksichtigt.
Die Forscher:innen bewerteten mehrere open-weight LLMs und setzen das Modell, welches die beste Balance zwischen Vorhersageleistung, Modellgröße und Effizienz bot, auf 64.223 Kommentare aus dem deutschsprachigen Diskussionen zum Klimawandel auf X an. Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass LLMs komplexe deliberative Dimensionen zuverlässig erfassen können, einschließlich inklusivere Typ II Dimensionen, die aufgrund subtiler sprachlicher Hinweise und unausgewogener Klassenverteilungen oft schwer zu erkennen sind. Des Weiteren deckt die Analyse unterschiedliche Kommunikationsmuster auf: Während öffentliche Sprecher:innen wir Politiker:innen oder Journalist:innen überwiegend zivile, rationale, konstruktive und auf das Gemeinwohl ausgerichtete Kommunikation verwenden, zeigen andere Nutzer:innen ein höheres Maß an reziproker Beteiligung, Humor und negativen Emotionen sowie häufigere Inzivilität auf.
Insgesamt verdeutlicht die Studie das Potenzial KI-gestützter Messverfahren, deliberative Normverstöße zu identifizieren und gezielte Gegenrede sowie andere Diskursinterventionen zu unterstützen, um inklusive digitale Diskursräume zu fördern. Darüber hinaus können sie dazu beitragen, die langfristigen Auswirkungen von Moderation und Interventionen auf die Qualität von Diskursen zu untersuchen.
Der Artikel ist Teil des Open-Access Special Issue “The Role of AI for Counter Speech: Detection, Intervention, and Risks,” das von Lena Frischlich, Cathy Buerger, and Magdalena Obermaier herausgegeben wird.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier:
Frey, P., Bhattacharya, S., Wiedemann, G., & Puschmann, C. (2026). Can AI Gauge Deliberative Quality? Evaluating Deliberation on Social Media With Large Language Models. Media and Communication, 14, 12494. https://doi.org/10.17645/mac.12494
26. Oktober 2026Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Andreas Hepp
ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung
Universität Bremen
Tel: +49 421 218-67620
Assistenz Frau Schober: +49 421 218-67603
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