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Das „Living Handbook on Communicative AI“

Living Handbook on Communicative AI

KI-Systeme sind längst nicht mehr nur Kanäle, durch die Menschen miteinander kommunizieren – sie werden selbst zu Beteiligten gesellschaftlicher Kommunikation. Das Living Handbook on Communicative AI führt die sozialwissenschaftliche Forschung zu dieser Veränderung zusammen. Seine Kapitel erscheinen fortlaufend online und werden regelmäßig überarbeitet.

Worum es geht

Chatbots beantworten Fragen, die Menschen zuvor in Suchmaschinen eingegeben haben. KI-Systeme verfassen journalistische Texte, moderieren Plattforminhalte oder begleiten Menschen im Alltag. Vor dem Hintergrund der Verbreitung solcher kommunikativen KI im Alltag fragt das Handbuch: Wie verändert sich gesellschaftliche Kommunikation insgesamt, wenn kommunikative KI ein Teil von ihr wird?

Damit stehen auch die Grundbegriffe der interdisziplinären Medien- und Kommunikationsforschung zur Debatte. Agency, Medium und Kommunikation sind so lange klar bestimmt, wie technische Kommunikationsmedien „vermitteln“. Sobald sie sich aber an Kommunikation beteiligen, müssen auch Grundbegriffe hinterfragt werden. Diese theoretische Herausforderung geht mit einer empirischen einher: Kommunikative KI und ihre Folgen zu erforschen, verlangt neue methodische Zugänge. Beides bildet den Ausgangspunkt des Handbuchs.

Warum ein „Living Handbook“

Kommunikative KI entwickelt sich zu schnell und in zu viele Richtungen zugleich, als dass ein gedrucktes Handbuch dem gerecht werden könnte – es wäre veraltet, bevor es seine Leserschaft erreicht. Das Living Handbuch antwortet darauf mit einem anderen Format: Die Kapitel erscheinen einzeln online, sobald sie fertig sind, und werden in festen Abständen überarbeitet.

Das Format hält das Handbuch nicht nur auf dem aktuellen Stand, es hält es auch offen: Das Handbuch ist ausdrücklich darauf angelegt, im Lauf der Zeit weitere Themen aufzunehmen.

Die vier Teile des Handbuchs

Teil 1 – Theorien und Ansätze

Die Erforschung kommunikativer KI ist ein breites, interdisziplinäres Unterfangen. Teil 1 erfasst seine theoretische Landschaft: von den etablierten Debatten um computervermittelte Kommunikation und Mensch-Maschine Interaktion über das jüngere Feld der Mensch-Maschine Kommunikation bis zu Auseinandersetzungen über die Agency automatisierter Systeme, zu Science and Technology Studies, Critical Data Studies und Gesellschaftstheorien der Automatisierung. Hinzu kommen ethische Perspektiven auf kommunikative KI sowie die Frage von KI und Ungleichheit. Ein integrativer Beitrag führt die Stränge zusammen. Nicht-westlicher Theoriebildung wird durchgehend eigener Raum gegeben.

Teil 2 – Zugänge, Forschungsstrategien und Methoden

Der Teil 2 verbindet zwei methodische Perspektiven. Einerseits, wie etablierte Methoden weiter entwickelt werden müssen, um kommunikative KI angemessen zu untersuchen, und andererseits, wie sich kommunikative KI selbst methodisch in die Forschung einbinden lässt. Methoden, die dabei behandelt werden, sind u.a. Algorithmus-Audits, Walk-Throughs, Partizipative Forschung, Kreative Methoden, Laborexperimente und Nutzerstudien, Interface-Design, aber auch der Einsatz von kommunikativer KI in der Umfragenforschung, der qualitativen und quantitativen Datenanalyse oder der Datenvisualisierung. Den Abschluss bildet die Ethik des Forschens mit und über kommunikative KI.

Teil 3 – Die soziomaterielle Konstitution kommunikativer KI

Dass eine Technologie entsteht, ist nie allein eine Frage funktionaler technischer Entwicklung; ökonomische, politische und diskursive Kräfte prägen sie ebenso. Teil 3 untersucht, wie kommunikative KI konstituiert und so von Beginn an gesellschaftlich eingebettet wird – in ihrer Materialität aus Computern, Netzwerken und Rechenzentren ebenso wie in sozialen Praktiken und Strukturen. Die Kapitel führen von der kommunikativen Konstruktion und Imagination kommunikativer KI über ihre materiellen Infrastrukturen und Interfaces zu Ökonomie, Politik und Governance und schließlich zu ihrer globalen und kulturellen Situiertheit.

Teil 4 – Domänen der Aneignung

Welche gesellschaftliche Bedeutung kommunikativer KI zukommt, zeigt sich in ihrer Aneignung. Teil 4 behandelt wichtige gesellschaftliche Domänen – u.a. Journalismus, Politik, persönliche Lebenswelt, Gesundheit, Bildung und Religion – und fragt nach der jeweils spezifischen Aneignung von kommunikativer KI und mit den damit verbundenen Veränderungen und Herausforderungen. Über die einzelnen Domänen hinweg richtet sich der Blick auf wiederkehrende Muster und auf die hybriden Mensch-Maschine-Figurationen, die sich dabei bilden: Was bedeuten sie für die supra-individuelle Agency in den Domänen und für gesellschaftliche Kommunikation insgesamt?

Anspruch und Publikum

Das Handbuch will eine möglichst breite sozialwissenschaftliche Perspektive auf kommunikative KI eröffnen und schließt dabei ausdrücklich nicht-westliche Sichtweisen ein. Es versteht sich als Grundlage für einen Dialog, der nur gelingt, wenn sehr verschiedene Disziplinen zusammenkommen: neben der Medien- und Kommunikationswissenschaft die Soziologie, die Science and Technology Studies, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Informatik sowie geisteswissenschaftliche Fächer wie Philosophie, Religionswissenschaft und Linguistik.

Das Handbuch erscheint bei Springer VS und richtet sich an Studierende und Forschende der Sozial- und Technikwissenschaften, die einen aktuellen, interdisziplinären Überblick über das Feld suchen.

Herausgegeben von

Andreas Hepp (Universität Bremen), Wiebke Loosen (Leibniz-Institut für Medienforschung │ Hans-Bredow-Institut), Juliane Jarke (Universität Graz), Christian Katzenbach (Universität Bremen) und Michaela Pfadenhauer (Universität Wien).

Das Handbuch entsteht im Rahmen der DFG- und FWF-geförderten Forschungsgruppe „Communicative AI“ (RU 5656).

Die Einleitung zum Nachlesen

Die Einleitung zum Handbuch ist als erstes Arbeitspapier der Reihe ComAI Working Papers erschienen. Sie entfaltet das Konzept der kommunikativen KI, begründet das Format des Living Handbook und stellt die vier Teile ausführlich vor.

Hepp, A., Loosen, W., Jarke, J., Katzenbach, C., & Pfadenhauer, M. (2026). Communicative artificial intelligence: Introduction to a living handbook (ComAI Working Paper No. 1). Forschungsgruppe „Communicative AI“.

Gefördert durch DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)FWF Österreichischer Wissenschaftsfonds

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Andreas Hepp
ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung
Universität Bremen
Tel: +49 421 218-67620
Assistenz Frau Schober: +49 421 218-67603
E-Mail: andreas.hepp@uni-bremen.de

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