P5 auf der re:publica: Möchtest du etwas Kummer bei uns lassen?
Es ist nicht die typische Einstiegsfrage für Wissenschaftler:innen, aber für Jonah Wermter und Antonia Eichenauer aus dem Projekt „Journalismus: Die Automatisierung der Nachrichten und journalistische Autonomie“ war genau das der Beginn vieler interessanter Gespräche.
Auf der re:publica in Berlin, einer der größten und wichtigsten Konferenzen zu digitalen Medien, Politik und Gesellschaft, hatten sie ihren KI-Kummerkasten für Sorgen im und um den Journalismus als Teil des Off Stage Programms aufgestellt. Besucher:innen konnten ihre Sorgen, Ängste und ihre Wut aufschreiben und in der selbstgebastelten Kiste lassen. 66 Briefe wurden geschrieben, einige adressiert an Sam Altman, viele an den Journalismus, einige an Entscheidungsträger:innen und einer an Gott.
Anlass für die wissenschaftlich-künstlerische Intervention waren zwei Beobachtungen aus der bisherigen Forschungsarbeit des Projekts: Zum einen sprechen viele Journalist:innen an, dass sie Sorgen um ihren Beruf haben – sowohl bezogen auf ihre Arbeitsstellen als auch auf die gesellschaftliche Funktion von Journalismus. Allerdings werden diese Ängste oft nur angedeutet, werden mit den Chancen abgewogen oder in berufliche Strukturen eingeordnet. Zum anderen nehmen einige Journalist:innen an, dass ihr Publikum KI kritisch gegenübersteht, und führen das als wichtigen Gradmesser für die eigene Arbeit an.
Um diese Beobachtungen mit ungefiltert kritischen Gedanken anzureichern, haben Antonia und Jonah beide Gruppen einfach direkt gefragt: Was bereitet euch Kummer, wenn ihr an KI und Journalismus denkt? Die Antworten werden sie nun zeitnah analysieren und die Ergebnisse in einem weiteren Blogbeitrag hier veröffentlichen.
Ein paar Einblicke lassen sich aber jetzt schon geben: Auf der re:publica tummelt sich jedes Jahr eine Community, die von einer kritischen Perspektive auf aktuelle, politische, gesellschaftliche und technische Entwicklungen zusammengehalten wird. Entsprechend einig ist man sich in der Kritik an großen Tech-Unternehmen wie OpenAI oder Meta. Mit Karen Hao sprach direkt am ersten Tag die Autorin, die zuletzt sehr detailliert veröffentlicht hat, unter welchen ausbeuterischen Bedingungen OpenAI’s KI-Modelle entwickelt worden sind und werden.
Der berufliche Hintergrund der Besucher:innen unterscheidet sich allerdings deutlich. Die Menschen kommen aus dem Journalismus aber auch aus der Filmbranche, ihre Plattformen sind TikTok und Netflix, Zeitungen und die politische Bühne. Den Kummerkasten haben – natürlich – viele Journalist:innen angesteuert, aber auch Mediatoren, Beraterinnen, PR-Strateginnen und Social-Media-Manager.
Die Themen, die die Menschen beschäftigen, sind entsprechend unterschiedlich. Einige haben sich nahezu beschwert, dass der Kummerkasten die Chancen von KI ausblenden würden und sagten frei heraus „Ich habe keine Sorgen.“ Das hört man natürlich auch gerne. Für andere schien es eine willkommene Möglichkeit zu sein, endlich ihre Sorgen um die (eigene) Zukunft rauszulassen und den Stand etwas leichter zu verlassen. Denn wie der aktuelle ARD-Vorsitzende und HR-Intendant Florian Hager in einem Talk sagte: „Das, was [mit KI] auf uns zukommt, ist eine brutale Disruption.“
22. Mai 2026Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Andreas Hepp
ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung
Universität Bremen
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Assistenz Frau Schober: +49 421 218-67603
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