Keynote zu „Quiet and Loud Futuring“ in Shanghai
Auf der internationalen Tagung „Creative Communication and Empowerment“, die am 17. und 18. April an der Shanghai Jiao Tong University stattfindet, hält ZeMKI-Sprecher Prof. Dr. Andreas Hepp eine Keynote zum Thema der „leisen und lauten Zukunftsgestaltung“, das auch Thema seines Buches über Pioniergemeinschaften in Bezug auf die medientechnologische Entwicklung ist.
Die Tagung wird von der IAMCR – der International Association for Media and Communication Research mitveranstaltet und lädt Wissenschaftler:innen, Branchenexpert:innen und Nachwuchsforscher:innen aus aller Welt ein, aktuelle Forschungsergebnisse zu den theoretischen Grenzen und praktischen Wegen kreativer Kommunikation auszutauschen. Die wissenschaftliche Konferenz zielt darauf ab, „Empowerment“ als zentrale analytische Perspektive zu nutzen, um das Verständnis der sozialen Funktionen und des öffentlichen Werts neuer Medien zu vertiefen und so zum Aufbau einer inklusiven und nachhaltigen globalen Gesellschaft beizutragen.
In seiner Keynote greift Andreas Hepp zentrale Thesen seines Buches „Pioneer Communities: How our digital futures emerge in Silicon Valley and beyond“ auf. Darin untersucht er sogenannte “Pioniergemeinschaften” von frühen Netzwerken wie dem Whole Earth Network sowie den Maker- und Quantified-Self-Bewegungen bis hin zu neueren Akteuren wie Ethereum und deren Einfluss auf unsere Vorstellungen digitaler Zukünfte. Dabei fokussiert er auf verschiedene Formen der Zukunftsgestaltung: Während „laute Zukunftsgestaltung“ öffentlichkeitswirksame Zukunftsnarrative großer Tech-Unternehmen beschreibt, verweist „leise Zukunftsgestaltung“ auf weniger sichtbare, aber einflussreiche Prozesse innerhalb von Pioniergemeinschaften. Diese entwickeln laut Hepp oft radikalere Visionen, die später von Unternehmen aufgegriffen und in abgeschwächter Form verbreitet werden.
Die Prämisse zu Andreas Hepps Keynote ist die Beobachtung, dass sich die Wahrnehmung digitaler Zukunftsentwürfe in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat. Während große Tech-Unternehmen lange eine optimistische, nahezu utopische Vision propagierten, ist diese mittlerweile zunehmend von kritischen Perspektiven überlagert. Begriffe wie „Technofaschismus“ spiegeln wachsende Sorgen über Limitation, Kontrolle und die gesellschaftlichen Auswirkungen von Plattformen und Künstlicher Intelligenz wider.
Hepp argumentiert, dass im Falle von Künstlicher Intelligenz nicht nur ein Moment der Entstehung “neuer” Medientechnologien erreicht wurde, sondern sich für die Forschung eine komplett neue qualitative Dimension eröffnet hat. Deshalb plädiert er dafür, technologische Zukunftsvisionen nicht erst dann zu thematisieren, wenn die entsprechenden Technologien bereits weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen entfalten, sondern das Entstehen von Technologie grundsätzlich im Zusammenhang mit Projektionen, Visionen und Zukunftsvorstellungen zu betrachten.
Weitere Informationen zur Veranstaltung sind hier abzurufen.
12. April 2026Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Andreas Hepp
ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung
Universität Bremen
Tel: +49 421 218-67620
Assistenz Frau Schober: +49 421 218-67603
E-Mail: andreas.hepp@uni-bremen.de







